Montag, 23. April 2018

Letzte Vorbereitungen auf die 20. Pastoralkonferenz

Neben Vorträgen und Arbeitsgruppen, gehört auch das gemeinsame Gebet
wesentlich zu unseren Pastoralkonferenzen dazu.
Heute war der ganze Tag den Vorbereitungen für die Pastoralkonferenz gewidmet, den letzten, kann man sagen, denn einer nach dem anderen begibt sich auf den Weg. Am Freitagabend wollen wir alle in Naundorf in der Sächsischen Schweiz sein. Wir kommen bei der Caritas unter. Am 29. April fahren wir - wie schon gesagt - zur Sonntagsmesse nach Dresden in die Hofkirche. Wer da alles kommen will! Jede Nachricht vermehrt unsere Freude. Sorgen macht da nur die knappe Zeit. Aber wir treffen uns ja nicht "nach" der Eucharistiefeier, sondern "zur" Eucharistiefeier. Möge uns der Herr ein tiefes Erlebnis von Einheit und Zusammengehörigkeit, von Kirche und Ostern schenken! 
Für Enthusiasten kann ich ja hinter vorgehaltener Hand hinzufügen, dass wir kommenden Sonntag um 9.33 Uhr die S-Bahn aus Richtung Hauptbahnhof am Bahnhof Dresden-Mitte verlassen (102 Personen!) und zu Fuß zur Kathedrale gehen. Das wäre ja z.B. eine gute Gelegenheit, sich ein bißchen auszutauschen. :) 

Sonntag, 22. April 2018

Gedanken am Sonntag des Guten Hirten

Die Kleinstadt Marx an der Wolga hatte vor 1917 drei christliche Kirchen und hat sie heute wieder. Unsere katholische Kirche wird in diesem Jahr 25. Ich erinnere mich an die Grundsteinlegung im Frühjahr 1993 und die Kirchweihe im November. Sie ist auf den Titel Christus König geweiht. Die heutige russisch-orthodoxe Kirche "wuchs" aus einem ehemaligen Schulgebäude hervor, d.h. sie ist ein Umbau und wurde dem heiligen Apostel Andreas geweiht. Nur die evangelische Dreifaltigkeitsgemeinde hat ihre ursprüngliche Kirche wieder zurück bekommen. Das Gebäude blieb erhalten, weil die Stadt in den Jahrzehnten der UdSSR ein "Kulturhaus" brauchte. Nur den Turm hatte man entfernt. Aber auch der ist seit 2017 wieder da, (Foto).
Gern übernahm ich heute die Sonntagsvertretung in Marx. Dass die Kirche ungewöhnlich leer war, hatte seinen Grund im derzeit immer noch weit verbreiteten Grippevirus. Es werden keine 50 Gottesdienstbesucher gewesen sein, mit denen wir am heutigen 4. Ostersonntag (Sonntag des Guten Hirten) um geistliche Berufungen gebetet haben. Ich kenne die meisten, die in Marx zur Kirche kommen. Darum war ich mir der Antwort auf die rhetorische Frage bewußt: "Wer von uns wäre heute hier, wenn ihm nicht Priester oder Ordensleute auf seinem Weg geholfen hätten?" - Ich selbst wäre heute nicht (mehr) in Russland.

Samstag, 21. April 2018

BILDER (und) SPRACHE

Saratow. Nach dem langen "Grippe-Theater", versuchte ich mich gestern erstmals wieder so richtig am Arbeitsplatz, im Büro in Saratow. Nicht einmal alle dringenden Sachen waren erledigt, da war der Tag schon vorbei. Zwei Saratower Priester und drei Ordensschwestern waren gestern schon zur Pastoralkonferenz nach Dresden aufgebrochen. Sie besuchen vorher ihre Partnergemeinde dort in der Stadt. Wegen Nebel in Saratow, schafften sie den Anschluss in Moskau nicht mehr. Dennoch kam eine fröhliche Nachricht vom Umsteigen: Es gab noch eine Maschine am späten Abend. Dass nur Plätze im Business-Bereich zur Verfügung standen, nahm die Fluggesellschaft auf ihre Rechnung. Ich feierte die Abendmesse in der Kathedrale, wo die Altarwand (Foto links) immer mehr Gestalt annimmt. Dann kehrte ich in meine Wohnung im 6. Stock in der Puschkinstraße heim und machte eine letztes Bild vor der Haustür. 
Marx. Samstag. Da die Stimme noch nicht wieder ganz hergestellt ist und ich gestern verstand, dass es immer noch zu früh ist, wieder voll einzusteigen, nutze ich den heutigen Samstag abermals zum Auskurieren. Die Tage vor der Pastoralkonferenz sind gezählt! Nur "Viel liegen!" - funktioniert nicht. Also brachte ich mit Pater Reinhard zwei Pfarreiautos zum Reifenwechsel. Die Winterreifen können endlich runter. Bei der Gelegenheit entstanden drei Bilder: russische Winterreifen mit Spikes, die Marxer Feuerwehr im Einsatz und - ich sehe was, was Du nicht siehst - eine super-moderne LED-Straßenlampe an der Hauptstraße.
Ein Spaziergang am Nachmittag führte unter anderem auch zum Grab von Schwester Anna, die 1984 mit einer Handvoll junger Schwestern die Niederlassung ihrer Ordensgemeinschaft in Marx gründete, und die im Heiligen Jahr der Erlösung - im Jahr 2000 - verstarb. Ich glaube, selbst für Einheimische ist es schwer zu sehen, wie da am Friedhof reihenweise Gräber für demnächst Sterbende ausgehoben sind. Auch die jetzt im Frühjahr aus dem Süden zurückkehrenden Krähen verbreiten eine bedrückende Atmosphäre, indem sie sich um die Sitzfläche auf den Kreuzbalken der Gräber streiten. Beten kann man natürlich trotzdem. 

Donnerstag, 19. April 2018

Stille in Marx

Passend zur mir verschriebenen Ruhe, begleite ich heute den monatlichen geistlichen Einkehrtag der Schwestern im Marxer Kloster. Bei den Impulsen helfen mir die Lebensgeschichten der vier großen Frauen, die im 13. Jahrhundert im Kloster Helfta lebten. 700 Jahre - Ist da noch was drin für heute? Ich habe viel entdeckt und hoffe, es weitergeben zu können. 
In Marx tauen die letzten Schneeberge weg, trocknen die Pfützen aus, wächst das erste Gras nach dem Winter. Am Vormittag kam ich mehrmals mit Leuten ins Gespräch, die unsere Caritasstation auf dem Kirchengrundstück suchten. "Wir haben gehört, bei Ihnen kann man Gehhilfen ausleihen", war immer wieder der genannte Grund, auch wenn es um mehr ging. Ich freue mich, dass unser Pflegedienst mehr und mehr bekannt wird. Schließlich - weil ja Zeit war - wollte ich wieder einmal auf den Kirchturm klettern, der in diesen Wochen 25 Jahre alt wird. Ich inspizierte die beiden Glocken aus dem Jugendhaus Altbuchhorst bei Berlin, die unser Freund Norbert Laubstein damals (1993) gebracht hatte. Und ich machte - wie kann es anders sein - ein paar Fotos, wie dieses, in Richtung "Stadtzentrum" und Steilufer auf der anderen Wolgaseite. Marx hat - man möchte es nicht glauben - 31.788 Einwohner. "Ein großes Dorf", sagen die Leute hier manchmal. Und ich verstehe, warum.

Mittwoch, 18. April 2018

Caritas Kinderzentrum an der Wolga

Als ich zum Hoftor einschwenkte, lief ein Schulkind vor mir in gleicher Richtung. Das Mädchen hörte den Motor nicht, und ich wollte sie nicht erschrecken. Dann bemerkte sie mich doch, freute sich und begrüßte mich. Eine vom Kinderzentrum. Ich kenne leider nicht alle Namen. "Haben Sie ein Bonbon dabei", wollte sie wissen. "Du hast wohl noch nicht zu Mittag gegessen", fragte ich scherzend zurück. Das aber verging mir gleich, als ich genauer in das blasse Gesicht schaute und die müde Antwort "nein" hörte. "Komm, wir gehen schauen, was es im Pfarrhaus gibt", schlug ich vor. Kurz darauf fielen mir die vielen Verhaltensregeln ein, die nun schon beinahe in aller Welt zu beachten sind, wenn man man mit Kindern allein ist.
Später trafen wir uns im Kinderzentrum neben der Kirche wieder. Dort ist heute "Kontrolle". Schwester Maria aus Orenburg (Foto links oben) ist verantwortlich für das große und schöne Projekt aller Caritas-Kinderzentren im Bistum Sankt Clemens. Sie ist für ein paar Stunden gekommen, um nachzuschauen, Rat zu geben, Impulse mitzunehmen. 
Außer dem in Marx, liegen auch unsere Kinderzentren in Astrachan und Wolgograd "an der Wolga". Die anderen haben eher mit Bergen zu tun, mit dem Kaukasus und dem Ural.

Dienstag, 17. April 2018

Jetzt auch auf der Dresden-Meissner Homepage


Heute habe ich auf der Homepage des Bistums Dresden-Meissen den Hinweis auf unseren Besuch am 29. April gelesen. Denen, die mit der Bahn anreisen, habe ich mit einer Skizze per E-Mail versucht zu erklären, wo man lang gehen muss, wenn man in Stadt Wehlen aussteigt, um den - wenn mit Koffer, dann erst recht - mühsamen Anstieg zum Tagungsort in Naundorf zu finden. Der Abholdienst vom Flughafen ist weitgehend geklärt. Für eine große Gruppe (über 20 Personen) am 27.4. nachmittags suchen wir noch die günstigste Variante. Nicht wenige kommen mit dem Auto (2-4 Tage unterwegs.) Letzte Absprachen vor einer schönen Reise. 
Ich hoffe, dass alle "meine" Priester und Ordensleute durch die gemeinsamen Tage im Bistum Dresden-Meissen Kraft für ihren Dienst in Südrussland schöpfen können, durch das gemeinsame Gebet, durch die thematische Arbeit der Pastoralkonferenz, durch Freundschaft, durch die Natur, durch die Begegnungen am Sonntag in Dresden ... 
Seit meiner Bischofsweihe 1998 treffen wir uns jedes Jahr einmal. (Hier auf dem Foto, das war unsere Pastoralkonferenz vor 13 Jahren in Kazan, bei der wir u.a. sehr herzlich vom orthodoxen Erzbischof Anastasij empfangen wurden.) So ist das in diesem Jahr schon die 20. Pastoralkonferenz. 

Ein Monat

Heute vor einem Monat ist meine Mutter verstorben. Ich habe noch so gut wie niemandem schriftlich für die Anteilnahme in jenen Tagen gedankt. So viel ist seitdem schon wieder passiert. Es war eine Fülle von Güte und Mitgefühl, die sicher auch meine vier Geschwister an ihren Heimatorten und über ihre Kommunikationskanäle erreichte. Viele schrieben von Trauer. Ich darf sagen, auf eine Art ist es auch eine Zeit besonderer Freude. Gibt es doch so viel Grund zum Danken.

Montag, 16. April 2018

Krankenbesuch

Auf ihrer Tour durch Südrussland, machten Ottmar Steffan und seine drei Begleiterinnen aus Osnabrück Station in Marx und Saratow. Um Mitternacht geht ihr Zug nach Kazan. Weil ich morgen nach Astrachan muss und heute nichts riskieren wollte, blieb ich zu Hause. Außerprogrammmäßig besuchte mich Ottmar trotzdem, während die anderen jetzt am Abend irgendwo an der Wolga spazieren gehen. Wir besprachen alle unsere Bistumspartnerschaft betreffenden Neuigkeiten in kompakter Form. In knapp zwei Wochen sehen wir uns wieder, nämlich in Dresden.

Auch in der Saratower Pfarrgemeinde sind einige darauf aufmerksam geworden, dass ich mich unter den derzeitigen Grippepatienten befinden. Große Honiggläser, eingefrohrene Moosbeeren, gezuckerte Himbeeren, verschiedenste Rezepte und die "Mahnung" zur Bettruhe gingen ein. Tatsächlich muss ich weiter als je einen Tag voraus denken, was nun zur Absage zwei weiterer Pastoralreisen in Pfarrgemeinden führt. 

Sonntag, 15. April 2018

Der Dresden-Count-Down läuft

Heute in zwei Wochen wollen wir in Dresden sein, siehe "Wir kommen ..." Manche verbinden die Tage vorher mit ihrem Urlaub zu Hause, so z.B. Pfarrer Bosco Marschner aus der Oberlausitz, oder auch Alberta aus Südtirol. Sie besucht gerade ihren über 90-jährigen Vater in den Bergen und schickte mir dieses Urlaubsfoto von zu Hause. Extremer geht es nicht, dachte ich mir dabei: Eine Frau aus den wunderschönen Dolomiten lebt schon mehr als 20 Jahre bei uns in Südrussland und sorgt sich mütterlich um behinderte Menschen in der Steppe Kalmykiens, wo es auf Hunderten von Kilometern keinen einzigen nennenserten Hügel gibt. 
Aufmerksame Beobachter werden feststellen, dass mir die Grippe einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Ich habe dem Pfarrer in Togliatti die Firmvollmacht übertragen und bin an diesem Wochenende nirgends hin gereist.