Mittwoch, 22. November 2017

In Saratow wird gearbeitet

Um mich ein wenig auf dem Laufenden zu halten, schickte mir Pater Diogenes, unser Generalvikar, ein paar Aufnahmen von den Umbauarbeiten in der Saratower Kathedrale. In Anlehnung an das großartige Mosaik in der Apsis der ehrwürdigen St.-Clemens-Basilika in Rom, gestaltet ein Künstler mit einfachen Mitteln den Altarraum der Hauptkirche des Sankt-Clemens-Bistums in Saratow. Die Kathedrale wurde im Oktober 2000 geweiht und war in den ersten 17 Jahren innen praktisch überhaupt nicht gestaltet worden. "Provisorisch" hing ein Kreuz über dem Altar. Zwei vergrößerte Kopien eines Petrus- und eines Paulusbildchens verdeckten ein wenig die kahlen Flächen. Der Tabernakel stand (ebenfalls: "vorübergehend") auf einer Stele aus Ziegelsteinen, die vom Bau übrig geblieben waren.
Heute Morgen feierte ich die heilige Messe mit den Patres im St.-Klemens-Kloster in Heiligenstadt. Auch nachdem mein deutscher Hauptwohnsitz nicht mehr auf dem dortigen Pfarrgebiet liegt, fühle ich mich bei den älteren Mitbrüdern zu Hause. Hat deren Kloster seinen Namen doch nicht vom morgigen "vierten Papst" (hl. Clemens, Papst, Märtyrer, +101 auf der Krim - unser Bistumspatron), sondern vom heiligen Clemens Maria Hofbauer (+1820 in Wien), meinem Namenspatron.

Dienstag, 21. November 2017

Emsland - Eichsfeld - Moskau

Das lange Wochenende im Bistum Osnabrück, diesmal besonders im Emsland, ist vorüber. Schön gestaltete und gut besuchte Gottesdienste in großen Kirchen werden mir vorerst in Erinnerung bleiben, sowie verschiedenste, herzliche Begegnungen, besonders jene mit Ordensgemeinschaften am gestrigen Montag, aber auch das "Piepkuchenbacken" in Spelle und die Orgelweihe in der Lingener Krankenhauskapelle. Danke dem Initiator und Begleiter der Tage, Herrn Ottmar Steffan von der Caritas Osnabrück, der nun schon am nächsten gemeinsamen Termin der Bistümer Osnabrück und Sankt Clemens arbeitet, nämlich am 23. Juni 2018, wenn im Kloster Nette das 20-jährige Bestehen der Russlandhilfe - und damit unserer Bistumspartnerschaft - gefeiert werden soll.
Für mich geht es in den Endspurt des Urlaubs, nicht noch einmal zurück in die Sächsische Schweiz (Fotos nebenan), sondern ins Eichsfeld, wo meine Mutter und einer meiner Brüder mit Familie leben. Am Freitag will ich dann wieder nach Russland aufbrechen, jedoch erst einmal nur bis Moskau. Dort treffe ich am Samstag einen Kardinal, der unsere Diözesen in Russland besucht, besonders um gemeinsame Projekte zu besprechen. Und weil das Gespräch mit ihm am Samstagabend stattfinden wird, habe ich keine Chance mehr darauf, die letzte Maschine nach Saratow zu erreichen, was wiederum bedeutet: Ich werde am Christkönigssonntag zum ersten Mal seit 26 Jahren nicht in Marx sein. Stattdessen werde ich am Sonntag den neuen Pfarrer in der deutschen St.-Elisabeth-Gemeinde in Moskau in sein Amt einführen. Er stammt, wie ich, aus dem Bistum Dresden-Meissen, war aber in den letzten Jahren Seelsorger der deutschen Auslandsgemeinde in Hongkong. 
Soweit dieser kleine Rück- und Ausblick, mit dem ich mich noch einmal in den Urlaub verabschiede.

Samstag, 18. November 2017

Katholisch in Südrussland

Ja, eigentlich soll es hier ja darum gehen, um's Katholischsein in Südrussland. Nun bin ich aber gerade deshalb für ein paar Tage ins Bistum Osnabrück gekommen, um von dort zu erzählen. Das Von-einander-Wissen ist gut für "hüben" und "drüben". Ich werde deshalb an diesem Wochenende und am Montag vermutlich auch manchmal auf dieses Blog hinweisen. Und dann wird es hier den einen oder anderen neuen Leser geben. Um denen den "Weg nach" Südrussland leichter zu machen, hier die Empfehlung, einmal in der linken Blogspalte das Blog-Archiv zu suchen und darin zu blättern. 

Freitag, 17. November 2017

Münster

Auf dem Weg ins Bistum Osnabrück (siehe Eintrag vom 2. November), habe ich in Münster Station gemacht. Unkomplizierte Aufnahme fand ich, wie immer, bei den Hiltruper Herz Jesu Missionaren. Von hier aus wurde unserem Bistum schon viel geholfen. Alles, was ich mir für heute vorgenommen hatte, ist erledigt. Das Gefühl von Urlaub ist noch da.

Mittwoch, 15. November 2017

Ars 2

Bis zum Mittag war es ein stiller, besinnlicher Wallfahrtstag. Für mich war der Altar des heiligen Johannes Maria Vianney reserviert, an dem ich heute die heilige Messe zelebrierte.

Dann wartete ich erneut auf Denis, der nach dem Essen mit allen anderen (34) Seminaristen unzählig viele Briefe an Wohltäter in Umschläge steckte - "Mailing" nennt sich sowas heute - weil wohnen, essen und Ausbildung natürlich etwas kosten. Außer den französischen Seminaristen, studieren hier junge Männer aus sehr verschiedenen Ländern der Welt, besonders aus Asien und Afrika.

Auf einem langen Spaziergang tauschten wir uns über dies und jenes aus, was uns gut schien zu wissen. Natürlich bin ich nicht einfach so mal kurz vorbei gekommen, um Hallo zu sagen. Denis möchte Diözesanpriester werden, im Bistum Sankt Clemens. Da ist es gut, wenn wir uns kennen, ich ihn und er mich. Und für eine Tasse Kaffee reichte die Zeit dann auch noch, bevor er zur Gesangstunde mußte. Ich genieße weiterhin meinen Urlaub.

Wer etwas aus Russland lesen möchte, kann heute www.katholisch.de öffnen. Wenn da noch nichts Neues dazugekommen ist, steht ein Interview mit unserem Moskauer Erzbischof obenan, unter dem etwas vielversprechenden Titel "Der Papst wird nach Russland kommen". Wie gesagt: Ich bin im Urlaub. (-: 

Dienstag, 14. November 2017

Ars


Jeden Morgen um 6.30 Uhr wird die Pfarrkirche in Ars vom Küster aufgeschlossen. Um diese Zeit ist es dort ganz still, erst recht um diese Jahreszeit. Pilger kommen oft nur auf der Durchreise hier vorbei, also irgendwann später am Tag. Mit Denis, unserem Seminaristen im 4. Kurs des hiesigen Priesterseminars, haben wir uns für Mittag und Nachmittag verabredet, nach den Vorlesungen. So hatte und habe ich viel Zeit, in den Anliegen unseres Bistums, meiner Freunde und meiner ganz eigenen hier zu beten, am Grab des heiligen Pfarrers von Ars, in seine Kirche, in der Seitenkapelle mit der Marienfigur, in deren Herz er alle Namen seiner Pfarrkinder geschrieben hatte, am Tabernakel, vor dem er einmal statt der Predigt nichts anderes herausbrachte als mehrmals die Worte "Er ist hier." Und das war eine Predigt, die ankam, wo sie hin sollte...


Warum ich einen jungen Mann aus Russland, der Priester werden will, ausgerechnet hier her geschickt habe? "Priesterausbildung" - nicht das passendste Wort - ist etwas sehr Verantwortungsvolles, Delikates, Schönes. Einem Menschen helfen, seine Berufung zu entdecken, zu bewahren und zu ent-falten... Das verlangt einen sehr persönlichen und individuellen Zugang. So verstehe ich es zumindest inzwischen. Muss doch die Freundschaft mit dem Herrn nicht "so ähnlich wie" die Freundschaft unter Menschen sein, sondern größer, damit der Weg gelingt. Wirklich größer. Die Gemeinschaft des heiligen Johannes Maria Vianney, die das Seminar in Ars leitet, hilft den jungen Leuten auf wirksame Weise, in der Fähigkeit zur christlichen (ehrlichen, vertrauenden, reifen, schenkenden) Freundschaft zu wachsen, aufgrund einer lebendigen Beziehung zu Christus und seinen Heiligen.

Sonntag, 12. November 2017

Gruss aus dem Urlaub

Eine ruhige Urlaubswoche im Caritasheim Naundorf (Sächsische Schweiz) neigt sich ihrem Ende zu. Morgen reise ich dann noch ein "kleines" Stück weiter bis nach Ars ins Priesterseminar, um Denis zu besuchen, einen der drei jungen Männer aus unserem Bistum, die sich zum Priestersein berufen fühlen und darauf vorbereiten. Auch das ist keine Dienstreise, sondern Fortsetzung des Urlaubs. Ars ist ja ein ganz ruhiges Städtchen (Dorf), das selbst am Grab des heiligen Johannes Maria Vianney zu dieser Zeit nicht von Pilgern überlaufen sein wird.
Hier in Naundorf war ich schon früher einmal gewesen, wie mir meine Mutter bestätigt. Dass ich mich nicht erinnern kann, liegt daran, dass ich damals gerade mal zwei Jahre alt war. Ein schönes Fleckchen Erde, natürlich. Ein paar Tage lang war ich der einzige Gast im Haus, während es zum Wochenende hin immer voller wurde: Caritasfrauen und Vinzenzbrüder aus dem Bistum tagten, und ein Dresdner Pfarrgemeinderat arbeitete am Thema "Verantwortungsgemeinschaften" (Fusion von Pfarreien). 

Sonntag, 5. November 2017

Feiertage

"Ich halt's nicht aus! So schön!!!" hab ich auf diese drei Fotos aus Pyatigorsk geantwortet. Samara scheint derzeit nicht der einzige Ort zu sein, an dem sich katholische Jugendliche im Bistum versammeln. (Weil der Tag der Einheit auf Samstag gefallen war, ist auch morgen - Montag - noch schul- und arbeitsfrei. Das nutzen viele.) Besonders das Bild vom Elbrus, wenn auch mit Handy-Zoom und darum nicht so deutlich, lässt die Luft anhalten: 5.642 Meter ist er hoch, der höchste Berg, nicht nur im Bistum Sankt Clemens. 

Und damit verabschiede ich mich erst einmal in den Urlaub. 8 Tage werde ich nichts Neues schreiben. 

... an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Stepnoje - ein Dorf in der Wolgasteppe
Einen so ärmlichen Friedhof habe ich noch nie gesehen. Ungepflegt, verwachsen, alt ... Sowas kenne ich. Aber heute ... Ich segnete Gräber in Anwesenheit der Verwandten der Verstorbenen. Auseinanderrutschende Erdhügel, verblichene Plastikblumen, verschimmelte Holzkreuze, ... Obwohl alles nicht so lange her ist. Ich war betroffen von Namen junger Leute, an die ich mich erinnere. Sie waren Kinder, als ich Pfarrer hier war. Todesursachen: Alkohol, Leichtsinn, Krankheiten. Ich fragte nicht viel. Versuchte zu beten. "Natürlich, wenn das Geld vorn und hinten nicht reicht..." Aber einmal im Jahr, an Allerseelen, selbst ohne Geld, ... Seit 25 Jahren gibt es in diesem Dorf wöchentlich eine Katechese und zweimal im Monat eine heilige Messe. Für mich war die heutige Gräbersegnung auch eine Anfrage an uns.
Es ist Sonntagabend. Ich lasse Saratow langsam hinter mir und rüste mich für knapp zwei Wochen Urlaub. "Nun lässt Du Herr Deinen Knecht, ..." (Lk 2,29)